DE: Eine Kolumne mit Kelly Kosel, in der an Gefühlen gefummelt, Fäden verfolgt und Themen rund um Sexualität, Körper, Intimität und Beziehungen eingeladen werden.
FR: Une chronique qui s’adresse aux émotions pour démêler certaines de vos questions sur le sexe, les relations, le corps et l‘intimité.
EN: An Advice Column that fiddles about feelings to untangle some of your questions about sex, relationships, bodies and intimacy.
Du merkst, dass soziale Medien deine Zeit fressen und dich regelmäßig unbefriedigt, leer, einsam oder ängstlich zurücklassen? Das kann schon mal vorkommen und damit bist du nicht allein (ich habe mir dazu ein paar Studien reingezogen, schreib mir gerne für Lektüreempfehlungen). Ohne in Details abzudriften, warum soziale Medien für unsere psychische und körperliche Gesundheit echt schlecht sein können (you probably already know), hier ein paar Tipps für einen gesunden Umgang mit Social Media. Ich habe versucht, dir etwas anderes zu liefern als Chat-GPT, so stay with me. Okay, los geht’s:
Newsletter abonnieren, statt doomscrollen
Du magst am Laufenden bleiben, ohne ständig eine News-App zu refreshen oder der scheinbaren Dringlichkeit von instant Notifications ausgesetzt zu sein? Ich fand die Lösung: Newsletter. Zum Beispiel habe ich einen täglichen Newsletter abonniert, der mich kurz über Weltgeschehen und News aus dem deutschsprachigen Raum informiert. Hinzu kommt ein wöchentlicher Newsletter, der die „guten Nachrichten“ der Woche zusammenfasst und einen Fokus auf Österreich hat (wo ich lebe). Ich lese die Newsletter einmal am Tag bzw. einmal die Woche in meinem Emailpostfach (wenn ich will). Wenn mich Themen interessieren, suche und lese ich gezielt dazu weiter nach. Je nach Region, Sprache und Zeit, die du investieren magst, kannst du dir einen, zwei oder maximal drei unterschiedliche Newsletter abonnieren. Wenn Newsletter nicht so dein Medium sind oder du z.B. mit der luxemburgischen Newsletterauswahl unzufrieden bist, kann ich dir stattdessen Radio oder Podcasts empfehlen.
Lösche Instagram von deinem Handy
Ja, die Reels der queeren Comedians sind sehr lustig und geben uns ein Gefühl von Community. Ja, du wirst es vermissen Tiervideos mit deinen Besties hin und her zu schicken („look, this is you“). Ja, du wirst die eine oder andere Veranstaltung, politische Analyse und ein paar Urlaubsfotos verpassen. Aber abgesehen davon, sind die Nachteile echt größer als die Vorteile. And you know it. Mache folgendes:
- Nimm dir eine Stunde Zeit.
- Unfollow: Sortiere alle Leute aus, denen du die letzten 10 Jahren gefolgt bist. Ziel: maximal 300 Accounts (I know, it‘s hard).
- Überlege dir währenddessen: Was und wen mag ich wirklich sehen und WARUM? Wessen und welcher Content gibt dir danach das Gefühl ein bisschen schlauer zu sein (queer art historian, hellooo) und welcher, dass dein Leben nicht gut genug und die Welt schlecht ist (yes, the world is burning, aber für diese Gewissheit brauchen wir Social Media nicht)?
- Schaue in deine Chats: Mit wem schreibst du wirklich auf Insta und mit wem könntest du die Kommunikation auf einen Messenger ohne Reels/Posts verlegen? Schreib diesen Leuten.
- Lösche die Insta-App von deinem Telefon.
- Nutze Instagram erstmal eine Weile nicht, zum Beispiel für 2-3 Wochen.
- Achtung: Wenn du diese Abstinenzphase geschafft hast, darfst du dich manchmal per Desktop an deinem Computer in deinen Account einloggen und die Reels anschauen, die dir deine Friends geschickt haben.
- Repeat Detox: Alle paar Monate wieder eine oder zwei Wochen ganz ohne Social Media. Denn die Wahrheit ist: You will miss it but it will not miss you. (Und alle Friends, die dich vermissen, können dir woanders schreiben, siehe oben.)
Okay, und jetzt mach das gleiche mit TikTok – und den anderen sozialen Medien, die du nutzt
Ich weiß, es ist nicht, was du hören willst. Dazu kann ich nur sagen: Ich glaub an dich. (Achtung, jetzt wo du keine sozialen Medien mehr am Handy hast: kompensiere *nicht* mit deiner E-Mail-App.)
Schalte die Notifications aus
Du kannst in den Einstellungen deines Telefons die Nachrichtenvorschau und sofortige Benachrichtigen ausstellen. Damit du trotzdem mitbekommst, was in deinen Chats und Apps passiert, kannst du stattdessen die „Badges“ aktivieren, d.h. die kleinen, roten Nachrichtenzähler in der oberen rechten Ecke der App. So kannst du, zum Beispiel, die Ablenkung, Überstimulierung oder Überforderung der sich stapelnden Nachrichtenvorschauen vorbeugen. Vielleicht fehlt dir, wenn das Handy nicht ständig aufleuchtet, dieses bestimmte Gefühl „gebraucht zu werden“ oder ständig im Loop zu sein. Deine IRL Friends hingehen werden es super finden, wenn du ihnen am Esstisch die volle Aufmerksamkeit schenkst und aktiv zuhörst, statt in der freien Minute die Nachrichtenvorschau zu lesen (no offense).
Make a Website
Nutzt du Social Media, um deine Freizeitkunst zu posten oder als eine Art öffentliches Tagebuch? Mach dir eine gratis Webseite für deine schönen Fotos, Töpferprojekte oder Zeichnungen. It’s fun. Und du lernst etwas Neues. Du kannst den Link der Webseite weiterschicken und sogar eine Maske einrichten, über die dir Leute schreiben können (anstatt, dass sie dir auf Insta in die DMs sliden).
Plane ein Wochenende ohne Handy
Nachdem ich dir schon Social Media verboten habe, jetzt auch noch das! Plane 1-3 Tage allein, ohne Handy und ohne Fürsorgepflichten (für manche nicht so leicht, ich weiß). Du kannst das auch gemeinsam mit einer Beziehungsperson oder Familie machen (vielleicht noch schwerer). Schreibe eine Liste mit Papier und Stift – mit dem Titel: WAS MACHT MIR SPASS? (Nimm dir jetzt einen Stift und 10 Minuten Zeit, denn diese Liste ist immer gut zu haben.) Hier ein paar Ideen, die nichts mit deinen Screens zu tun haben:
- Spazieren gehen
- Zeichnen
- Schwimmen
- Ins Kino gehen
- Sich unter einen Baum legen
- Kochen
- Tanzen
- Gemeinsam lesen
- Musik hören
- Kaffee trinken und Leute beobachten
- Kollagieren
- Mittagsschlaf machen
- Tagebuch schreiben
- Karten spielen
- Aufräumen oder ausmisten
- Auf ein Konzert gehen
- Die Printausgabe von queer.lu durchblättern
- …
Last but not least, Handy nicht neben dem Bett
Ich weiß, das ist der Endboss. Jedoch lauern auch ohne Instagram, TikTok und Co. am Handy, die ganzen Nachrichten-, Spiele- und Self-Care-Apps. Kauf dir einen hübschen Wecker. Installiere eine Ladestation für dein Handy im Nebenzimmer, wo es auf dich wartet, wenn du aufstehst. Überleg dir, was du vorm Schlafengehen machen magst (Sudoku Heft, lesen, meditieren, kuscheln, Tagebuch schreiben oder eine Gratitude-Liste schreiben, not even kidding).
Hast du Tipps oder Beschwerden zu dieser Kolumne? Schreib mir unter feelings@queer.lu. Ich freu mich! Bis bald, Kelly
