Historically Queer
In dieser Kolumne blicken wir auf queere Geschichte(n) zurück, sowohl auf persönliche Anekdoten, wie auch auf das Zeitgeschehen.
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Die Geschichte von Herculine-Abel Barbin ist nur wenigen bekannt. Sie ist traurig und endete tragisch. Herculine-Abel war einer der ersten bekannten Menschen in Frankreich, bei dem der Staat die Intergeschlechtlichkeit wahrnahm, aber nicht anerkannte. Die Folgen des medizinisch-juristischen Normierungszwang zu einem einzigen „wahren Geschlecht“ war für Herculine-Abel fatal. Siere unvollendete Autobiographie wurde nach sierem Tod vom Sexualpathologen François Tardieux publiziert, geriet jedoch bald in Vergessenheit. Es ist dem bekannten Philosophen Michel Foucault, der mit seinen Gender Studies diese Memoiren 1978 noch einmal veröffentlichte, zu verdanken, dass sie erhalten geblieben sind.
Ich werde im Verlauf der Geschichte die Gender-Pronomen wechseln, und nicht auf die heutigen ‚Xier‘ oder ‚Sier‘ zurückgreifen, um die Fatalität, die Herculine-Abel letzten Endes das Leben kostete, besser zu veranschaulichen.
Frühes Porträt von Christina von Schweden um 1640 (Gemälde eines unbekannten Hofmalers); Projekt Gutenberg.
Kindheit in St. Jean d‘Angély
Am 8. November 1838 in St. Jean d‘Angély, einer kleinen Stadt im Département Charente-Maritime, kam das erste Kind von Herr und Frau Barbin zur Welt. Es wurde beim Standesamt mit weiblichem Geschlecht eingetragen und bekam den Namen Adélaïde Herculine Barbin. Herculines Vater, ein einfacher Holzschuhmacher, verstarb unerwartet, als sie sechs Jahre alt war. Um zu überleben und nicht vollends in die Armut abzugleiten, nahm die Mutter eine Stelle als Dienstmagd bei einer angesehenen, reichen Familie in La Rochelle an. Dort sollte sie sich um ein vollzeitpflegebedürftiges Familienmitglied kümmern. Für die kleine Herculine blieb keine Zeit mehr.
Diese schreibt darüber in ihrer Biographie:
[Diese] Lage hatte die Aufmerksamkeit einiger edelmütiger Herzen erregt; […] und bald wurden ihr (Frau Barbin), von der Oberin des Obdachlosenhauses von St. Jean d‘Angély großzügige Angebote gemacht. Dank des Einflusses eines Verwalters, wurde ich dort aufgenommen. Ich war sieben Jahre alt. Noch am Morgen jenen Tages wusste ich überhaupt nichts von dem, was sich wenige Stunden nach dem Aufstehen ereignen sollte. Meine Mutter war wie zu einem Spaziergang mit mir ausgegangen und führte mich schweigend zu dem Haus in St. Jean d‘Angély, wo mich die würdige Oberin erwartete.
Sie kam in den Trakt für Waisenkinder. Eine schöne und sorglose Zeit, wie sie später schrieb. Sie fühlte sich den anderen Kindern gegenüber immer etwas erhaben, denn sie hatte ja noch eine Mutter, die sie, wenn auch sehr selten, besuchte, worum sie die andern beneideten.
Vom Obdachlosenasyl kam sie dann, dank einer Bittschrift der Oberin, in eine Klosterschule für Mädchen, in die auch angesehene Familien ihre Töchter schickten. Sie war eine fleißige Schülerin und erhielt eine rigorose religiöse Erziehung. Die 10-jährige Herculine schloss dort eine enge Freundschaft mit der sieben Jahre älteren Lea. Es war eine seltsame – rein platonische – Verbindung, die sie fast wie ein Liebesverhältnis beschrieb.
Jugend in La Rochelle und Orléon
Mit 15 Jahren musste sie die Klosterschule verlassen und kam zurück in die Obhut ihrer Mutter. Sie zog in das Haus der Familie in La Rochelle ein und wurde zur Kammerzofe der jüngsten Tochter, die drei Jahre ältere Clothilde. Ihre Aufgabe war es, ihr morgens und abends beim An- und Auskleiden zu helfen. Des Weiteren las sie dem oft kranken Großvater der Familie aus der Zeitung und Büchern vor.
Es gibt eine Passage in ihren Memoiren über das Verhältnis zu Clothilde:
Morgens half ich ihr beim Aufstehen, das Sommer wie Winter immer früh erfolgte. Darauf kleidete ich sie an, wobei wir uns bestens über alle möglichen Angelegenheiten unterhielten. Trat dann Stille ein, begann ich, sie unbefangen zu bewundern. Die Blässe ihrer Haut war unvergleichlich. Anmutigere Formen konnte man nicht ersinnen, ohne davon geblendet zu sein. Genau das widerfuhr mir. Ich konnte manchmal nicht anders, als ihr schmeichelhafte Dinge zu sagen, was sie auf die anmutigste Weise ohne Überraschung oder Eitelkeit hinnahm. Um das Thema dann zu wechseln, fragte sie mich nach meiner Gesundheit…
Herculine berichtet viel über ihren fragilen Gesundheitszustand. Sie klagte oft über Unwohlsein und wurde vom Hausarzt mitversorgt. Jedoch wirkten all die Tinkturen, Pillen und Diäten nicht. Der Arzt gab auf und meinte, es wären ungewöhnliche „Wachstumserscheinungen“ und das würde sich mit der Zeit geben.
Als Clothilde mit 21 Jahren heiratete und aus dem Haus zog, gab es für Herculine nichts mehr zu tun. Man legte ihr nahe, einen Beruf im Unterrichtswesen zu ergreifen, denn sie galt als sehr belesen und erwachsen für ihr Alter. Sie willigte ohne besondere Begeisterung ein.
So kam sie mit 17 Jahren in eine École Normale, ein Schwesterninternat einige Wegstunden entfernt in Orléon. Das Aufnahmeexamen hatte sie mit Bravour bestanden. Sie lebte sich gut ein, aber ihr Aussehen machte ihr zu schaffen. Alle anderen Mädchen bekamen einen rosigen Teint und wohlgeformte Rundungen, während Herculine mager und blass blieb. Als Bedienstete hatte sie ein Zimmer für sich allein, aber jetzt musste sie wieder in einem großen Schlafsaal mit fünfzig anderen Mädchen zusammen schlafen. Sie hasste es. Sie entwickelte einen Flaum auf der Oberlippe und auf den Wangen, den heimlich mit der Schere abschnitt. Ihr kränklicher Zustand erregte Besorgnis und sie wurde auch hier wieder auf Anraten eines Arztes auf eine wunderliche – und wirkungslose – Diät gesetzt. Herculine hatte eine sehr gute Freundin, Thécla, und man nannte sie die Unzertrennlichen.
Im Sommer wurde im Garten studiert. Dort saßen wir nebeneinander und fassten uns bei der einen Hand, während wir in der anderen das Buch hielten. Dann und wann heftete sich der Blick unserer Lehrerin in dem Augenblick auf mich, da ich mich zu ihr neigte, um sie zu küssen, mal auf die Stirn, mal, man möge es mir kaum glauben, auf die Lippen.
In mehreren kleinen Episoden beschreibt sie Gefühle, die sie sich selbst nicht erklären konnte. Sie hatte durch ihre strenge religiöse Erziehung keine Ahnung von sexuellen Dingen, jedoch strengste Moralvorstellungen erhalten und wusste die Veränderungen ihres Körpers nicht zu deuten. Aber sie war sich sicher, dass etwas nicht mit ihr stimmte. Sie beschreibt es wie eine unbekannte Krankheit, ein innerliches Siechtum.
Nach zwei Jahren war die Ausbildung zu Ende und die große Abschlussprüfung nahte. Ihre Mitschülerinnen zitterten, Herculine jedoch blieb fast gleichgültig und bestand alle Prüfungen mit Bestnoten. Nun oblag es dem Oberstudienrat, sie an eine Schule zu schicken. In der Zwischenzeit kam sie bei ihrer Mutter unter und nahm ihre Pflicht, dem alten Herrn des Hauses vorzulesen, wieder auf.
Lehrerin im Mädchenpensionat
Ende des Sommers, kurz vor Schulbeginn, ging dann ein Brief des Oberstudienrates ein und Herculine trat ihre erste Stelle, in einem Mädchenpensionat in einer „Bezirksstadt am Rande des Département“, an. Dort wurde sie herzlich aufgenommen. Geleitet wurde das Internat von einer Familie: Frau P…, die als eine Art Hausmutter fungierte und deren Tochter Sara, die Lehrkraft war. Herculine war eingestellt worden, um sich um die Beaufsichtigung der Mädchen und den Unterricht zu kümmern.
Sie verliebte sich in Sara. Beide kamen sich immer näher und wurden heimlich ein Paar. Die Mutter merkte sehr wohl, dass etwas nicht ganz stimmte, sagte jedoch nie etwas und war eigentlich froh, dass ihre Tochter Sara und Herculine sich so gut verstanden. Wie gut, war ihr allerdings nicht bewusst.
Nach dem ersten Schuljahr sollte Herculine während der Ferien zu ihrer Mutter zurück nach La Rochelle, nahm aber davor an einer Zusammenkunft ehemaliger Schülerinnen der École Normale teil. Hier hatte sie zum ersten Mal die Gelegenheit einer Beichte bei einem jungen und ihr fremden Pfarrer. Dem alten Abt, der im Pensionat die Gottesdienste hielt, mochte sie sich nicht anvertrauen. Sie erzählte ihm alles: ihre körperlichen Beschwerden und die riesengroße Liebe, die sie für Sara empfand. Nach zwei Tagen Bedenkzeit riet er ihr, sich komplett aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen und in ein Kloster zu gehen, um so einem Skandal vorzubeugen. Mit einer so radikalen Antwort hatte Herculine nicht gerechnet.
Sie unternahm nichts dergleichen. Sie konnte und wollte es nicht. Und so ging sie im Oktober zurück ins Internat, wo Sara sie sehnsüchtig erwartete. Doch im Winter kamen auch wieder die körperlichen Beschwerden und Herculine litt unter unsagbaren Krämpfen. Nach vielem guten Zureden der Hausmutter, ließ sie eine ärztliche Untersuchung zu.
Zwischen einem männlichen Arzt und einer Frau verlief das damals ganz anders als heute. Das Zimmer wurde in ein schummriges Licht getaucht und Herculine lag auf einer Liege unter einer Decke, wo der Arzt nur mit den Händen alles ertasten durfte. Sie kam sich nach der Untersuchung wie vergewaltigt vor. Der Arzt war so erschüttert über seine Befunde, dass er nicht in der Lage war, es auch nur auszusprechen. Er verordnete ein paar Schmerzmittel und versprach wiederzukommen, was ihm die Hausmutter jedoch, nach all den markerschütternden Schreien, die Herculine während der Untersuchung von sich gegeben hatte, verbat.
Nach diesem Vorfall ging das Leben im Internat wie gewohnt weiter. Herculine war jedoch bewusst, dass sich durch ihr Schweigen und die geheime Liebschaft mit Sara alles nur verschlimmern würde. Den prophezeiten Skandal sah sie zusehends näher kommen. Es verging ein weiteres Jahr, in dem die Spannungen wuchsen und Herculine sich irgendeine Lösung herbeisehnte. Zum Beispiel von Seiten der Hausmutter: Ich habe nie verstehen können, wie eine Frau in ihrem Alter und mit ihrer Erfahrung eine solche Illusion aufrecht erhalten konnte! Musste denn nicht die Zuneigung, die Sara mir entgegen brachte, ihr die Augen öffnen? Nein. Sie hätte gefürchtet, uns erst darauf zu stoßen, hätte sie uns nur den leisesten Verdacht spüren lassen. Die arme Frau!!!
In den Ferien fuhr sie zurück zu ihrer Mutter nach La Rochelle und besuchte dort die Frühmesse, die bereits um 5:00 Uhr und immer von Monseigneur, dem Bischof J.-F. Landriot, selbst abgehalten wurde. Man konnte nach der Messe den Monseigneur höflich um eine Beichte bitten. Herculine erzählte ihm alles. Er blieb lange still, und bat Herculine, ihn der Schweigepflicht zu entbinden, um seinen eigenen Arzt hinzuziehen zu können. Bereits am darauffolgenden Tag fand die Untersuchung in den Räumlichkeiten des Monseigneurs statt. Die Mutter war mitgekommen. Mit Entsetzen erfuhr sie die ganze Wahrheit. Monseigneur bat anschließend beide zu sich und befahl Herculine zurück ins Pensionat zu fahren, um dort ihre Stelle zu kündigen. Dort blieb sie dann mehrere Wochen, bis eine neue Lehrkraft gefunden war. Es folgten schwere und tränenreiche Abschiedsszenen von Sara und Madame P., die das alles nicht so richtig fassen konnte.
Ab hier überschlagen sich die Ereignisse. Binnen zwei Wochen wurde in La Rochelle per Gerichtsbeschluss ein geschlechtlicher Wechsel beim Standesamt vorgenommen. Das war nun erledigt. Das Standesamt erlegte mir auf, von nun an jener Hälfte der Menschheit anzugehören, die das starke Geschlecht genannt wird. Ich, der bis zum 21. Jahr unter scheuen Gefährtinnen in Klöstern erzogen worden war, ließ wie Achill eine wunderbare Vergangenheit hinter mir und betrat den Kampfplatz, nur mit meiner einen Schwäche und meiner tiefen Unerfahrenheit gegenüber Menschen und Dingen bewaffnet!
Aus Herculine wurde Abel
Abel wurde zum Klatsch- und Tratschereignis. Die Regionalzeitungen dichteten ihm die abenteuerlichsten Geschichten eines Don Juan, der heimlich sein Unwesen in Klöstern getrieben hatte, an. Auch Sara wurde zum Gespött der Leute.
Abel hat nie aufgehört, Sara zu lieben und beide schrieben sich noch lange Zeit. Doch schrieb er nie Madame P. Hierzu findet sich ein interessanter Satz in seinen Memoiren: Ich bin mir sicher, wenn ich die Situation hätte steuern können, wäre meine Zukunft anders verlaufen. Vielleicht wäre ich heute ihr Schwiegersohn.
Der Präfekt aus La Rochelle, sowie der Bischof hielten die Hand über Abel. Deren Wort hatte Gewicht und so wagte es niemand, mit Ausnahme der Presse, zu sehr aus der Reihe zu tanzen. Der Präfekt riet Abel jedoch, die Gegend zu verlassen. Auf Umwegen bekam er eine Stelle bei der Bahn in Paris und verließ La Rochelle endgültig einen Monat später.
Ab hier ändert sich der Ton der Memoiren. Es wird zu einer langen philosophisch-religiösen Klage, aber auch Anklage gegen die Gesellschaft, den Staat, sowie Herculine-Abel selbst. Herculine, die schon unter den widrigsten Umständen ihre Kindheit verbrachte, sich jedoch durch Fleiß und Disziplin hochgearbeitet hatte, als Lehrerin ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft war und eigentlich nur lieben und geliebt werden wollte, bekam jetzt als Abel die Missgunst, die Ablehnung und das Gespött der Leute zu spüren. Auch die Ärzte betrachteten ihn als pathologisches Lehrstück für Hermaphrodismus.
Es findet sich nur wenig Konkretes über sein Leben in Paris, das er anfangs mochte, weil es ihm Anonymität und Ruhe verschaffte, doch er fühlte sich sehr einsam, allein und leer. In einer Passage beschreibt er den Tod wie eine süße Erlösung, was darauf schließen lässt, dass er sich mit dem Gedanken von Selbstmord beschäftigte.
Die Anstellung bei der Bahn behielt er nicht lange, weil dort sein Schicksal bekannt wurde und er wieder im Mittelpunkt wilder Gerüchte und Geschichten stand. Er fand anschließend eine Stelle in einer Finanzverwaltung. Doch nach wenigen Monaten wurde er dort aufgrund von Umstrukturierungen entlassen.
Er beschreibt ein Einstellungsgespräch für eine Stelle als Kammerdiener bei einer Comtesse in einem kleinen Hotel im Faubourg Saint Honoré, wie folgt:
Ich traf sie alleine in einem weitläufigen Salon an, wo sie schrieb. Sie nahm meinen Brief, setzte sich an ihren Kamin und stellte mir mehrere Fragen, auf die ich übrigens gefasst war. Ich hatte nicht gedient, das war immer ein unübersichtliches Hindernis. Ich hätte allerdings sagen können: ich bin ein Zimmermädchen gewesen. Aber mit einer derartigen Ungeheuerlichkeit zu antworten… Doch man war über diesen wichtigsten Punkt hinweg gegangen. „Hier können Sie“, sagte die Dame, ein wenig entgegenkommend, „den Dienst in kurzer Zeit erlernen; doch sie scheinen mir schwächlich, zart und auf keinen Fall für eine derartige Arbeit geeignet. Ich kann Sie daher nicht zu mir ins Haus nehmen.“
Ich war entlassen.
Leider sagte sie die Wahrheit.
So oder so ähnlich endeten viele Einstellungsgespräche. Allein die Tatsache, dass er nicht beim Militär gewesen war, schlug ihm immer wieder die Türen zu. Es gab oft Wochen und Monate, wo er nicht wusste, was er von einem auf den nächsten Tag essen sollte.
Einen letzten Versuch startete er, als er auf dem Schiff Europa, das die Vereinigten Staaten anfuhr, als Zahlmeister anheuern wollte. Letztendlich sollte er jedoch nur als Saalkellner eingestellt werden. Er nahm die Stelle an, weil man ihm Aufstiegsmöglichkeiten versprochen hatte. Die lange Fahrt hat er nie angetreten.
Abel Barbin starb im März 1868 mit nur 29 Jahren. Er beging Selbstmord indem er den Kopf in seinem Zimmer im Viertel des Odéon in den Gasherd legte. Neben ihm fand man seine Memoiren, die dann auf Umwegen zum
Sexualpathologen Tardieux gelangten und veröffentlicht wurden.
***
Interessant an den Memoiren ist, dass sie in einer romanhaften Form geschrieben sind, als hätte Abel dabei immer an die zukünftigen Leser gedacht. Quer durch den ganzen Text kommen immer wieder vorausschauende Sätze vor wie, „Wenn ich damals gewusst hätte, was auf mich zukommen wird…“
Ich habe nach mehreren intensiven Recherchen nur ein einziges Foto gefunden, bei dem auch nicht klar belegt ist, ob es Herculine-Abel wirklich ist. Ein Satz, den ich auf Wikipedia fand, machte mich wütend: „Diese (Memoiren) wurden abwechselnd in männlicher und weiblicher Form geschrieben, wodurch eine nichtbinäre Identität wahrscheinlich ist.“ Diese Annahme ist schlichtweg falsch! Abel springt sehr wohl zwischen den Geschlechtern hin und her, was eine große innere Zerrissenheit deutlich macht. Dass er aber von einem Tag auf den nächsten zum Mann wurde, hatte sein Umfeld, bzw. das Gericht entschieden. Aber er gab sich selbst nie die Chance, sich bewusst zu werden, ob er Abel, Herculine, beides oder nichts von beiden war.
Er wählte die schrecklichste aller Lösungen: den Freitod.
