Pit Braquet empfängt uns mit einem Lächeln in der Eingangshalle des Centre Hospitalier (CHL) in Luxemburg-Stadt. Als Teil der Abteilung für Infektionskrankheiten untersucht und behandelt er täglich sexuell übertragbare Infektionen. Ein Interview über Oralsex, PrEP und eine Community, die Fürsorge braucht.
Ich beobachte es hier in der Praxis – Menschen werden positiv getestet, haben aber keine Kontaktdaten ihrer letzten fünf Sexualpartner:innen. Wir stecken oft den Kopf in den Sand. Community bedeutet doch eigentlich, füreinander da zu sein.
HIV bleibt weiterhin eines unserer Hauptanliegen, da es im Jahr 2026 nach wie vor die einzige unheilbare Krankheit ist. Wir beobachten weniger Infektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Daher müssen wir unsere Präventionsarbeit derzeit stärker auf die heterosexuelle Bevölkerung ausrichten.
Der beste Weg, dieser Angst zu begegnen, ist, das Testen zur regelmäßigen Gewohnheit zu machen. Je länger man zwischen den Terminen wartet, desto beängstigender fühlt es sich an.
PrEP ist ein unverzichtbarer Schutz für diejenigen, die kein Kondom benutzen können oder wollen. Auch die Anzahl der Partner:innen spielt eine wichtige Rolle. Mir ist es lieber, Sie haben zehnmal guten Sex mit dem:rselben Partner:in als ebenso oft mit verschiedenen.
Außerdem ist zu bedenken, dass PrEP nicht vor allen anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützt. Oralsex, Anilingus, Cunnilingus und so weiter können ebenfalls Übertragungswege für eine sexuell übertragbare Infektion sein. Daher empfehle ich, sich alle paar Monate testen zu lassen. Wenn Sie nach Oralsex Symptome wie Halsschmerzen bekommen; oder wenn Sie ungewöhnlichen Ausfluss aus dem After haben; oder wenn es juckt oder blutet; oder wenn es beim Wasserlassen brennt, dann sollten Sie Ihre:n Ärzt:in aufsuchen.
Im Jahr 2025 fand eine sehr produktive öffentliche Diskussion zum Thema Chemsex, die vom Roten Kreuz und dem Rainbow Center organisiert wurde, statt. Unabhängig davon, ob Menschen Chemsex als Freizeitdroge oder als Reaktion auf Depressionen oder Angstzustände nutzen, müssen wir verstehen, warum Menschen beim Sex Pillen schlucken, Drogen schnupfen oder sich spritzen und wie sich die damit verbundenen Gesundheitsrisiken mindern lassen. Fragen der psychischen Gesundheit – Stigmatisierung, Isolation und Angst – überschneiden sich alle mit der sexuellen Gesundheit.
Außerdem müssen wir wieder lernen, miteinander zu sprechen. Apps haben uns die Notwendigkeit genommen, zu verhandeln oder zu kommunizieren. Um ein konstruktives Gespräch zu führen, brauchen wir Worte, sei es bei einem One-Night-Stand oder einer romantischen Beziehung. Wir müssen in der Lage sein zu reden, um besseren, sichereren Sex zu haben.
Präventions- und Testleitfaden: HIV-Prävention und -Tests in Luxemburg
PrEP (Präexpositionsprophylaxe)
PrEP ist ein hochwirksames Arzneimittel zur Vorbeugung von HIV-Infektionen. Es wird für Menschen empfohlen, die nicht konsequent Kondome benutzen oder dies nicht können.
Bei Bedarf
2 Tabletten 2–24 Stunden vor dem Sex, gefolgt von 1 Tablette 24 Stunden später und einer letzten Tablette weitere 24 Stunden danach. Empfohlen bei sporadischer Exposition (z. B. einmal im Monat).
Täglich
1 Tablette täglich. Empfohlen für Personen mit mehreren Partner:innen pro Woche.
Kosten
PrEP ist in Luxemburg kostenlos, es kann jedoch zu Wartezeiten bei der Terminvergabe kommen. Wenden Sie sich zunächst an die Abteilung für Infektionskrankheiten des CHL.
Empfohlene Impfungen
- Hepatitis A & B: Für alle sexuell aktiven Erwachsenen
- HPV (Humanes Papillomavirus): Empfohlen für alle unter 30 Jahren
- Mpox: Erhältlich über das CHL
- Gonorrhö: Impfstoff mit einer Wirksamkeit von ca. 30 % verfügbar
Wo kann man sich testen lassen?
- Kostenlos & anonym: Termine beim CHL oder dem Planning Familial
- Mobile Tests: Der DIMPS-Bus des Roten Kreuzes bietet an verschiedenen Standorten im ganzen Land kostenlose Tests an
- Labortests: Mit Verschreibung des:r Hausärzt:in werden die Kosten erstattet; ohne Verschreibung in privaten Labors aus eigener Tasche
Notfallsituationen (PEP)
Waren Sie einem hohen Risiko ausgesetzt (ungeschützter Geschlechtsverkehr mit einem:r Partner:in mit unbekanntem HIV-Status)?
Suchen Sie innerhalb von 72 Stunden – idealerweise viel früher – das CHL oder eine beliebige Notaufnahme eines Krankenhauses auf.
Möglicherweise wird Ihnen PEP (Postexpositionsprophylaxe) verschrieben, ein Notfallmedikament, das eine HIV-Infektion nach dem Kontakt verhindern kann.
Bildnachweis: Das Team des Service National de Maladies Infectieuses (SNMI) mit Pit Braquet in seiner Mitte (erste Reihe, Zweiter von links). Das Foto entstand im Rahmen des Beitrags des SNMI zum Féissbook-Präis der Love-Bretzel 2025, gesponsert von Namur und organisiert von der HIV-Berodung des Roten Kreuzes anlässlich des Welt-AIDS-Tages 2025. Foto: SNMI.
