Als die Pride noch Gay Mat hieß
Foto: François Diderrich
In dieser Kolumne blicken wir auf queere Geschichte(n) zurück, sowohl auf persönliche Anekdoten, wie auch auf das Zeitgeschehen.
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Wir schreibendas Jahr 2009. Es war das Jahr, in dem die Gay Mat zum letzten Mal in der Hauptstadt stattfand. Wie war das damals? Was gab es zu sehen, zu hören und zu erleben? Waren die politischen Forderungen die gleichen wie heute? Und warum zog man in den Folgejahren nach Esch-sur-Alzette um? Gemeinsam mit Andy Maar und Laurent Boquet, vom Organisationskomitee der Luxembourg Pride, werfen wir einen Blick zurück.
Der Name Gay Mat war eine Erfindung von Claude Neu und kommt vom luxemburgischen ‚Géih mat!' übersetzt ‚Geh mit!', bei dem das Verb ‚gehen' in seiner imperativen Form wie ‚gay' ausgesprochen wird. Die ersten Kundgebungen waren ein schöner, schillernd bunter Umzug. Es ging um Sichtbarkeit der Community. Doch mit den Jahren kamen auch politische Forderungen dazu. Man wollte Informationen unters Volk bringen. So hieß es zum Beispiel im Jahr 2004 „Gay Mat Wielen" oder 2001 „Lénks Leie Gelooss?".
Nachdem 2008, das Jahr nach dem Kulturjahr, keine Gay Mat stattfand, ging es 2009 unter dem Titel „Gay Mat …Och Fir Eis!" wieder los. Andy Maar und Laurent Boquet waren zum ersten Mal im Organisationsteam mit dabei. Den Umzug gab es immer noch, und auf der Place d'Armes hatte man den Musikpavillon für einen Livetalk und weitere künstlerische Darbietungen sowie einen Getränkewagen gebucht.
Doch es wurde zu einem logistischen Problem. Laurent Boquet erinnert sich, dass es „schwierig" war:
Wir hatten versucht, die 2009er Ausgabe professioneller zu gestalten und hatten eine Genehmigung, uns auf der Place d'Armes niederzulassen. Ein Laster mit einem Fassungsvermögen von 9 Tonnen rückte mit dem gesamten Bühnenmaterial an, und es gab auch einen Getränkewagen. Doch der Laster kam nicht zu seinem Bestimmungsort, weil am selben Tag der Platz auch an die Flohmarkthändler vergeben worden war und die schon in den sehr frühen Morgenstunden alle ihre Stände aufgerichtet hatten.
Laurent Boquet
Foto: Rosa Lëtzebuerg / Archiv
Andy Maar erinnert sich:
Die Stadt Luxemburg hatte den Platz doppelt vergeben und wir mussten zusehen, wie wir unsere Infostände zwischen die Flohmarktstände bugsieren konnten. Doch die Widrigkeiten fingen schon ein paar Tage davor an, als man uns von der Gemeinde aus mitteilte, dass wir keine Getränke verkaufen dürften. Die Restaurants seien nicht froh über die Konkurrenz. Noch am selben Tag starteten wir eine Umfrage in den Gaststätten und fanden heraus, dass die betroffenen Gastwirte eigentlich nichts dagegen hatten. Im Gegenteil, wenn die Gay Mat viele Menschen anzieht, dann füllt das auch die Restaurants und Terassen.
Andy Maar
Rosa Lëtzebuerg nutzte zudem das Event, um ihre Petition bekannt zu machen und Unterschriften zu sammeln. Es ging darum neben der gleichgeschlechtlichen eingetragenen Partnerschaft (Pax), die es zu dem Zeitpunkt schon gab, auch die gleichgeschlechtliche Ehe mit allen Rechten und Pflichten einer Hetero-Ehe einzuführen. Dazu hatte man eine Talkrunde organisiert und Politiker:innen aller Couleur nahmen nur allzu gern daran teil, denn 2009 fanden auch Parlamentswahlen statt. Laurent weiß sich zu erinnern, dass der Abgeordnete Alain Frast der rechten erzkonservativen ADR in der Diskussion einen sehr schweren Stand hatte. „Er tat mir beinahe leid," meint er augenzwinkernd.
Wenn man Andy und Laurent zu ihren Vorlieben aller Events befragt, so war das nicht unbedingt der Tag des Gay Mat selbst, sondern die Nebenveranstaltungen.
Die Nebenveranstaltungen
Die Transkulturellen Filmtage
Andy erinnert an die Transkulturellen Filmtage, die später völlig verloren gingen. Heute gibt es beim Lux Filmfestival eine Rubrik mit queeren Filmen und es ist schön zu wissen, dass dieser Brauch nicht ganz abhanden gekommen ist.
Das Queer Arts Festival
Für Laurent ist es das Queer Arts Festival, das vielen Künstler:innen aus der Community, die im alltäglichen Geschäft nicht die geringste Chance hätten, eine Gelegenheit und Plattform gab und immer noch gibt, ihre Kunst öffentlich zu zeigen.
2010 fand keine Gay Mat statt, denn es wurde immer schwieriger einen adäquaten Ort und ein Datum zu finden und die Stadt Luxemburg zeigte kein wirkliches Interesse daran. 2011 startete Rosa Lëtzebuerg mit neuem Elan in Esch-sur-Alzette durch, wo die damalige Bürgermeisterin Vera Spautz sie mit offenen Armen empfing und ihnen aktive Unterstützung anbot.
Aber das ist eine andere Historically Queer Geschichte.



